Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
Ihre Rede beim diesjährigen Maiempfang hat bei vielen Kolleginnen und Kollegen aus Gewerkschaften, Betrieben und der Arbeitnehmerbewegung erhebliche Irritation ausgelöst.
Der 1. Mai ist kein beliebiger Empfang und keine reine Traditionsveranstaltung. Er ist der internationale Kampftag der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer – entstanden aus sozialen Kämpfen, aus dem Einsatz für Mitbestimmung, faire Löhne, Arbeitszeitbegrenzung und Würde in der Arbeitswelt.
Gerade deshalb war es enttäuschend, wie wenig Haltung, Nähe und Verständnis für die Lebensrealität vieler Beschäftigter in Ihrer Ansprache erkennbar waren.
Viele Menschen erleben derzeit steigenden Druck im Arbeitsalltag, Personalmangel, Überlastung und soziale Unsicherheit. Beschäftigte in Kitas, Verwaltungen, Pflege, Industrie und Dienstleistungen erwarten an einem solchen Tag mehr als allgemein gehaltene Worte. Sie erwarten Respekt, klare politische Einordnung und erkennbare Solidarität.
Umso befremdlicher war, dass zentrale Anliegen der Arbeitnehmerbewegung kaum sichtbar wurden – während gleichzeitig in den vergangenen Monaten immer wieder der Eindruck entstanden ist, dass kritische Stimmen aus Interessenvertretungen und Betriebsräten eher als Störung denn als demokratischer Bestandteil einer sozialen Stadtgesellschaft wahrgenommen werden.
Das wird weder der Bedeutung des 1. Mai noch der Rolle gerecht, die Gewerkschaften und betriebliche Mitbestimmung für unsere Demokratie und unseren sozialen Zusammenhalt haben.
Als AfA erwarten wir von einem Dortmunder Oberbürgermeister eine deutlich klarere Positionierung an der Seite der Beschäftigten – nicht nur in Sonntagsreden, sondern auch in Haltung und politischer Kultur.
Wir werden diese Debatte weiterhin offensiv führen.
Glück Auf
Ulrich Piechota & Bianca Herrmann
Vorsitzender & stellv. Vorsitzende der AfA Dortmund