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"Wir müssen Ungleiches auch ungleich behandeln"

Anja Butschkau und Carina Gödecke besuchten Wohn- und Arbeitsprojekt der AWO für Menschen mit Behinderung

Strömender Regen über dem Schultenhof. Eigentlich kein gutes Wetter für einen Hofrundgang. Die SPD-Landtagsabgeordneten Anja Butschkau und Carina Gödecke, ihres Zeichens Vizepräsidentin des Landtags, kamen dennoch, um sich über die Arbeit der AWO auf dem Schultenhof zu informieren.

Die betreibt dort ein Wohn- und Arbeitsprojekt für Menschen mit Behinderungen. Die Bewohner*innen des Wohnheims arbeiten auf dem angeschlossenen Bio-Bauernhof.

Für AWO-Vorsitzende Gerda Kieninger ist der Schultenhof dann auch ein Herzensprojekt: „Das wollen wir als AWO Dortmund. Hier wird Inklusion gelebt. Unser Motto heißt: Die Menschen sind nicht behindert – sie werden behindert!“ Und so können die Mitarbeiter*innen hier unterschiedlichste Formen von Arbeiten übernehmen. Für jeden gibt es Tätigkeiten, die seinen Stärken entsprechen.

Betriebsleiter Johannes Jüngst berichtet den Gästen ausführlich, was der Bioland-zertifizierte Schultenhof alles zu bieten hat: Hühner in Freilandhaltung, Schweinemast, Metzgerei, Gemüseanbau und Hofladen. Das Futter für die Tiere stammt aus eigenem Bio-Anbau. Jüngst: „Grundsätzlich bietet die Landwirtschaft einen idealen Rahmen für die Arbeit von und mit Menschen mit Behinderung.“

Der Besuch der Abgeordneten Anja Butschkau und Carina Gödecke hatte aber auch einen politischen Hintergrund. So war es der Leiterin des Wohnheims auf dem Schultenhof Nadine Somer ein Anliegen, auf die Folgen hinzuweisen, die das neue Bundes- und Teilhabegesetz ab 2020 hat. Das benachteiligt nämlich Sonderwohnformen wie die auf dem Schultenhof. Es soll stattdessen die Eigenständigkeit von Menschen mit Behinderung fördern.

Somer: „Für einige Menschen ist aber ein geschützter Rahmen wie ihn unser Wohnheim bietet, sehr wichtig. Eine ambulante Betreuung beinhaltet zudem auch immer die Gefahr der Vereinsamung.“ Sie würde sich wünschen, dass die unterschiedlichen Wohnformen von Menschen mit Behinderung gleich behandelt würden, je nachdem welche individuell für den Menschen am sinnvollsten ist.

Für Anja Butschkau ist das eine berechtigte Kritik: „Wir müssen Ungleiches auch ungleich behandeln. Jeder Mensch hat einen sehr individuellen Förderbedarf. Dem sollten wir individuell nachkommen.“ Butschkau stört es, dass dieser Grundsatz bei der Umsetzung des Bundes- und Teilhabegesetzes in Nordrhein-Westfalen zu kurz kommt.

„Wir haben uns als SPD außerdem dafür eingesetzt, dass alle Angebote für Menschen mit Behinderungen aus einer Hand, nämlich dem Landschaftsverband, kommen. Das macht es den Betroffenen einfacher und verkürzt Entscheidungswege.“ Leider hätten sich die Regierungsfraktionen dagegen gewehrt.

Butschkau und Gödecke wollen die Anregungen mit in den Landtag nehmen. Gödecke: „Im Rahmen eines Fachgesprächs sollte man nochmal erörtern, wo es hakt und politische Lösungen dafür entwickeln.“

Für die beiden Gäste gab es dann noch ein kleines Proviantpaket mit Leckereien vom Hof, bevor es dann auf den verkürzten Rundgang ging. Der Regen wollte einfach nicht nachlassen.